Einleitung
Der Entwurf ist das zentrale Thema in der Architektur. Die Vermittlung
der hervorgebrachten Planung basiert im allgemeinen auf Zeichnungen
und den ergänzenden Besprechungen. Ein zusätzliches Modell oder eine
perspektivische Zeichnung vereinfachten die Vermittlung bisher. Seit
der Verwendung von Computern als Planungshilfe (COMPUTER AIDED
DESIGN) und deren Spezialisierung auf Architektur stützt sich die Ver-
mittlung der Planungsabsichten verstärkt auf die computererzeugten
Produkte. Die Architekturanimation ist dabei eines der intensivsten Mit-
tel zur Darstellung der räumlichen Idee. Der hier verwendete Begriff der
Animation leitet sich durch die Kamerabewegung ab. Diese ÒdringtÒ stell-
vertretend für den Betrachter in das virtuelle CAD-Modell ein.
Computeranimationen finden hauptsächlich in der Speicherung durch
das Video zu einer festen Form. Diese verhindert im allgemeinen eine
diskontinuierliche oder zufällige Aneinanderreihung während der Vor-
führung. Obwohl gewisse Abstriche in der Qualität hinzunehmen sind,
ist das Video (VHS) die Wiedergabemöglichkeit mit der einfachsten und
am meisten standardisierten technischen Voraussetzung, sowie der wei-
testen Verbreitung. Der Anwendungsbereich von Architekturvideos ist
in der Vermittlung von Planungsabsichten zu sehen. Dieser Informati-
onstransfer wird im besonderen Ma§e auch zur Überzeugungsarbeit her-
angezogen. Architektonische oder städtebauliche Entscheidungen basie-
ren mitunter erheblich auf dieser Darstellungsform.
Innerhalb des Architekturvideos sind alle filmischen Möglichkeiten ge-
geben. Je intensiver diese genutzt werden, um so mehr Informationen
können transportiert werden. Durch die Gleichzeitigkeit der übermittel-
ten Inhalte wird eine andere Informationsdichte ermöglicht. Im paralle-
len Zusammenspiel verschiedenster filmischer Mittel entsteht ein Syner-
gieeffekt. Dieser kann für die Beeinflussung des Rezipienten genutzt wer-
den. Durch die Vielzahl der Bearbeitungsschritte bzw. der dadurch verur-
sachten Veränderungen können die Ergebnisse recht unterschiedlichsein.
Die Exaktheit des CADModells wird stufenweise verlassen. Ist das
CAD-Modell noch mathematisch absolut, so verliert sich dies durch die
Kamerasicht. Die erzeugte Perspektive ist grundsätzlich individuell und
reduziert die gesamten CAD-Informationen auf die vom Kamerastand-
punkt aus sichtbaren. Das jeweilige Resultat ist somit stark von der Ziel-
setzung der Bearbeiter abhängig.
Entsprechend der zeitlichen Komponente ist dieses Medium, bspw. mit
den Einflu§grö§en der Montage und der Musik, also auch durch nicht ar-
chitektonische Mittel geprägt. Die Einflu§möglichkeiten der filmischen
Mittel, vom exakten Computermodell bis zum vorgeführten Architek-
turanimationsvideo, sind ebenfalls vielfältig.
Existieren bisher zu fast allen Darstellungsformen einheitliche DIN oder
ISO Normen für Pläne und Zeichnungen, so klafft für Architekturanima-
tionen eine gro§e Lücke. Betrachtet man die Fülle an Einflu§grö§en und
Darstellungsoptionen, wird schnell deutlich, mit welchem mächtigen
Werkzeug hier gearbeitet werden kann. Das Ergebnis eines jeden Videos
ist von vielen Faktoren abhängig. Die Bearbeitungsstruktur dieser Dar-
stellungstechnik ist somit offen für eine wunschgemä§e Formulierung
der Gesamtaussage. Von der absoluten CAD-Geometrie bis zum fertigen
Video kann eine enorme Streuung der Aussage erreicht werden. Die
Komplexität eines solchen Instruments kann nicht ohne spezielles Vor-
wissen kritisch gesehen werden. Kritikfähigkeit stellt aber eine notwendi-
ge Grö§e in der Entscheidungsfähigkeit dar. Weder Definitionen noch
umfassende Ausarbeitungen stehen hier helfend zur Verfügung. Die
Diskussion innerhalb der Architektur begnügt sich mit kurzen Berichten
oder kleinen Essays. Insgesamt fehlt eine grundlegende Bearbeitung die-
ses Themas.
Zur Beurteilung einer Architekturanimation müssen die gesamten An-
teile und deren Optionen bekannt sein. Jede Arbeit kann gewissen Zielen
folgen. Der Produktionsweg eines Architekturanimationsvideos weist
viele Bearbeitungsstufen auf. Alle Bearbeitungsetappen können separat
und zielgerichtet gestaltet werden. Einheitliche Formulierungen der Ziel-
setzungen sind nicht zwingend. Vereinzelte oder unterschiedliche Aus-
formulierungen erschweren erheblich die klare Erkennbarkeit der bein-
halteten Ausrichtungen. Die Beurteilung eines Architekturanimations-
videos wird aufgrund der Fülle an Gestaltungsoptionen sehr komplex.
Ein systematisches Instrument zur Beurteilung fehlt derzeit noch. Durch
die immer stärkere Verwendung dieses Darstellungsinstrumentes, gerade
auch in der Bürgerbeteiligung, besteht dringender Bedarf an einem sol-
chen Verfahren. Die Grundlagen für ein solches Instrument soll die fol-
gende Arbeit hervorbringen.
Ziel dieser Dissertation:
Erarbeitung der Grundlagen (Produktionsweg)
Bestimmung möglicher Zielsetzungen innerhalb des Untersu-
chungsgegenstandes und Zusammenstellung der resultierenden
Fragestellung
Definition relevanter Untersuchungskriterien
Untersuchung von einhundert Architekturanimationsvideos. Zur
zeitbasierten Notation wird eine Partitur entwickelt.
Statistische Auswertungen über die vorgefundenen Merkmale
bzw. Ausrichtungen der Architekturanimationsvideos.
Auswertung und Diskussion der Resultate und Zusammenstel-
lung der Erkenntnisse.
Die Anwendung der Architekturanimation steht an ihrem Anfang. Die
simulierten Werkzeuge innerhalb des Produktionsweges sind in der
Filmproduktion stellenweise schon lange etabliert und perfektioniert. Die
Filmstudios haben massive Grundlagen geschaffen. Aufbauend auf die-
sen Erfahrungen kann sich das Architekturanimationsvideo zu einer
ähnlichen Qualität entwickeln. Doch je perfekter sich die einzelnen Pro-
duktionsstufen bearbeiten lassen, desto einfacher lä§t sich dieses Medium
zielgerichtet gestalten. Damit sich dieses Instrument zu einem vertrau-
ensvollen Darstellungsmittel etablieren kann, mu§ es sich klar von ein-
seitigen oder manipulativen bzw. zielgerichteten Ausarbeitungen unter-
scheiden. Die Ausarbeitungsqualität sollte daher in verschiedene Katego-
rien unterteilt werden. Innerhalb dieser Untersuchung wird daher die
Verteilung entsprechend der zu definierenden Kategorien ermittelt. Je
differenzierter die Ergebnisse ausfallen, desto deutlicher wird die Not-
wendigkeit einer zukünftigen einheitlichen Wesensbestimmung für die
Architekturanimationsvideos gesehen.